Dionysos


Dionysos
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Auch Bakchos (lat. Bacchus) genannt, der Gott des Weins und der Fruchtbarkeit, Sohn von Zeus* und Semele**, Pflegling der Ino* und später des Silen*, von Pentheus* und Lykurgos* bekämpft, die für ihre Zweifel an seiner Göttlichkeit ebenso büßen müssen wie die Töchter des Minyas*. Etruskische Seeräuber, die den jungen, trunkenen Gott gefangennehmen, um ihn als Sklaven zu verkaufen, werden in Delphine verwandelt (Ovid, Metamorphosen III 660–686). Siegreich verbreitet Dionysos seinen Kult bis nach Indien (Nonnos, Dionysiaka). Wenn die Mythen von zahllosen Widerständen berichten, mit denen der Gott fertig werden mußte, weist das darauf hin, daß er als Eindringling in den Kreis der olympischen Götter empfunden wurde. Aus Kleinasien oder Thrakien soll sein orgiastischer Kult nach Griechenland gelangt sein und die Frauen geradezu verrückt gemacht haben. Als Bakchen*, Bacchantinnen, Mainaden* (»Rasende«) feierten sie ihren Gott, den »Brauser und Löser, ... Nachtschwärmer, den Vater des Jubels, den Jauchzer und Johler« (Ovid, Metamorphosen IV 11–15). Aus heiteren Umzügen und Wechselgesängen bei den großen Festen des Gottes haben sich in Athen sowohl die Komödie wie die Tragödie entwickelt. Die Verkleidung und ebenso das Laute, Schrille, Wahnsinnige,
Ekstatische sind typisch für die Verehrung eines Gottes, der auch in Gestalt eines Bocks, eines Stiers oder eines brüllenden Löwen erscheint, dem genauso Schreckliches widerfährt wie denen, die er haßt; der als Dionysos Zagreus* zerstückelt und nach seinem Tod vielfach wiedergeboren wird (Nonnos, Dionysiaka VI 162–210). Als leidender Gott spielte Dionysos in der Mysterienreligion der Orphiker eine zentrale Rolle. Nächtliche Bacchusfeste, bei denen es angeblich zu sexuellen Ausschweifungen und Ritualmorden kam, veranlaßten 186 v. Chr. den römischen Senat zu rigorosen Maßnahmen. Rund 7000 Menschen sollen aufgrund eines Ermächtigungsgesetzes, des senatus consultum de bacchanalibus, bestraft worden sein, die meisten mit dem Tod. Welcher Beliebtheit sich Dionysos im griechischen Kulturkreis erfreute, läßt sich an der Häufigkeit des Namens Dionysios, der in England und Frankreich als Denis fortlebt, ebenso ablesen wie an der Dominanz dionysischer Themen in der Kunst.
Das ausgelassene Gefolge des Gottes, die tanzenden Mänaden, die tierhaftlüsternen Satyrn* und den alten Silen*, findet man auf zahllosen antiken Vasen, zum Beispiel auf einer Bauchamphore des Amasis (um 520 v. Chr., Würzburg, Martin-von-Wagner-Museum). Unweit vom Kölner Dom wurde das berühmte Dionysos-Mosaik entdeckt, das nun zu den Prunk-
stücken des Römisch-Germanischen Museums gehört. Einen Dionysosknaben hält der schöne Hermes des Praxiteles auf dem Arm (um 325 v. Chr., Olympia, Museum), den bärtigen Gott im weinlaubgeschmückten, von Delphinen umspielten Schiff zeigt eine Schale des Exekias (um 535 v. Chr., München, Antikensammlungen). Auf die Mysterien des Dionysos beziehen sich die Fresken in der Villa dei Misteri von Pompeji; auf die heilige Hochzeit, die der Gott am Anthesterienfest in Athen mit der Basilinna, der Gattin des Archon Basileus, feierte, weist das Szenarium eines um Christi Geburt enstandenen römischen Wandgemäldes, der ›Aldobrandinischen Hochzeit‹ (Rom, Musei Vaticani). Eindrucksvolle Studien des Rauschs schufen Michelangelo Buonarroti (überlebensgroße Marmorstatue des trunkenen Gottes, 1497, Florenz, Bargello) und der Maler Caravaggio (Bacchus, um 1598, Florenz, Uffizien), während andere Künstler bacchantische Massenszenen* vorzogen, wie Tizian (Bacchanal, um 1518, Madrid, Prado), Peter Paul Rubens (Bacchanal, um 1611, Wien, Akademie) oder Nicolas Poussin (Bacchanal vor einer Pansbüste, um 1635, London, National Gallery). Solche Szenen erlaubten Ausflüge ins Lasziv-Erotische, dazu noch in freier Natur! Ganz anders Diego Velasquez: Er versetzte auf seinem Bild ›Bacchus und die Zecher‹ (um 1629, Madrid, Prado) den Gott unter eine Gruppe
spanischer Vagabunden. Als ebenso bild- wie bühnenwirksam erwies sich die Geschichte von Ariadne*. Euripides behandelte in seiner Tragödie ›Die Bakchen‹ (um 405 v. Chr.) das Schicksal des Pentheus*; an dem eindrucksvollen Stück haben sich mehrere Nachdichter versucht. Vielfach nachgeahmt wurde auch die Verserzählung ›Bacco in Toscana‹ des Florentiner Arztes Francesco Redi (1685), in der sich der Gott und sein Gefolge mit Weinen der Toscana kräftig betrinken. Der Held in Jean Cocteaus Tragikomödie ›Bacchus‹ (1951) ist ein Schweizer Bauernsohn, der zur Zeit der Reformation nach altem Brauch in seinem Dorf beim Winzerfest zum Weingott gewählt wird, als Prophet der Freiheit und Liebe gegen Mauern von Haß anrennt und tragisch scheitert.

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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